30
Jul
2011

Die drei Männer vom Meer


Es waren einmal drei Männer, die lebten in einem kleinen Dorf am Meer. Sie waren dort geboren und sie dachten, nichts auf der Welt würde sie je von ihrem Heimatort fortbringen. Sie fuhren täglich zur See und ernährten sich hauptsächlich vom Fischfang. Am Abend saßen sie beisammen und erzählten einander von längst vergangen Zeiten. Sie waren sehr glücklich und zufrieden mit ihrem Leben.

Bis eines Tages plötzlich Männer in Uniform im Dorf erschienen. Sie trugen schwere Waffen bei sich und trieben alle Dorfbewohner aus ihren Hütten. Als die verängstigten Menschen schließlich alle am Dorfplatz versammelt waren, sprach der Anführer der Meute: "Von heute an gehört dieses Dorf uns. Alle früheren Bewohner werden ab sofort in ein Dorf in den Bergen geschickt und müssen dort bis an ihr Lebensende bleiben. Wer sich diesen Anordnungen widersetzt wird auf der Stelle erschossen!".

Als die drei Männer dies gehört hatten, war ihnen das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Der erste wurde so wütend, ob der Vorstellung fortan in den Bergen leben zu müssen, dass er ohne weiter nachzudenken wie ein wilder Stier zu brüllen begann und mit wutgeballten Fäusten auf den Anführer losstürzte. Die andern beiden Männer konnten ihn nicht mehr zurückhalten und mussten ihn so in sein Verderben rennen lassen. Der Rasende wurde von den bewaffneten Männern erfasst und vor den Augen aller Dorfbewohner erschossen.

Der Abtransport der verbliebenen - nun noch mehr eingeschüchterten - Menschen aus dem Dorf, erfolgte rasch und ohne weitere Zwischenfälle.

In den Bergen fühlten sich die beiden verblieben Fischer völlig entwurzelt und waren ihres Lebens nicht mehr froh. Der eine wurde so trübsinnig, dass er nichts mehr essen wollte und von Tag zu Tag schwächer wurde. Es dauerte nicht lange und er starb an Hungersnot.

Der einzige überlebende Fischer aber begann allmählich seine Umgebung zu erkunden und entdeckte zögernd die Schönheit der Berge. Als er sich eines Tages nach einer langen Wanderung erschöpft zum Fuße eines großen, alten Baumes niederließ, hörte er plötzlich das Rauschen der Wellen. Er dachte an eine Sinnestäuschung, doch bald erkannte er, dass es das Geräusch des Windes war, der durch die mächtige Baumkrone fuhr. Da begann er zu lächeln und sein Herz wurde wieder leicht, denn er wusste nun, dass die Berge ihm genauso viel Lebensglück vermitteln konnten, wie er es früher durch das Meer erfahren hatte.

Er lief in das Bergdorf zurück, begann eine Lehre als Tischler, fand ein liebes Mädchen, das er heiratete und lebte dort mit ihr und den drei Kindern die bald darauf das Licht der Welt erblickten, glücklich und zufrieden bis an sein Lebensende.

© by Elis Rotter

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